1. Das „Nürnberger Bündnis"

Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesministeriums für Forschung und Wissenschaft wurde 2001 das Nürnberger Bündnis gegen Depression initiiert. Mit einem 4-Ebenen-Aktionsprogramm sollte im Verlauf von drei Jahren eine Verbesserung der Behandlung und Versorgung depressiv erkrankter Menschen erreicht werden:

  • bessere Kooperation mit den Hausärzten, da sie meist die erste Anlaufstelle sind
  • eine professionelle und breit angelegte Öffentlichkeitskampagne zur Aufklärung und Entstigmatisierung (Fremd- und Selbststigmatisierung)
  • Kooperation mit geschulten Multiplikatoren bei Institutionen wie der Kirche, der Polizei, bei Behörden, in Schulen, in Altersheimen, Betrieben etc.
  • verbesserte Angebote für Betroffene und Angehörige

Das Bündnis konnte nachweisen, dass in Nürnberg bereits nach zwei Jahren die Rate von Suizidhandlungen (Suizide und Suizidversuche) um 24% und nach drei Jahren um über 30% zurückgegangen war.

Zum Vergleich: in Würzburg als Vergleichsregion gab es im gleichen Zeitraum einen leichten Anstieg der Zahlen.

Darüber hinaus konnte nachweislich eine Verbesserung der Versorgung und Behandlung depressiv erkrankter Menschen erreicht werden.

Allerdings werden in Deutschland leider immer noch nicht alle Patienten frühzeitig und nach den derzeitigen Standards der Depressionsbehandlung entsprechend versorgt.
Nach Schätzungen werden ca. 70% der Suizidhandlungen im Rahmen einer depressiven Erkrankung begangen.
Allein die immensen Krankheitsfolgekosten durch AU-Tage, vorzeitige Renten etc. liegen nach dem Report der Barmer/GEK und der Allianz 2011 mittlerweile bei ca. 2 Milliarden Euro.